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Sind FSC und PEFC zertifizierte Möbel nachhaltig?

FSC und PEFC sind keine Siegel für nachhaltige, ökologische Möbel. Daß FSC und PEFC für nachhaltige, ökologische Möbel stehen ist ein weit verbreiteter Irrglaube, denn das kann das Siegel nicht leisten und ist auch nicht ihr Anliegen.

Der Zweck dieser Siegel liegt darin, für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und ein Mindestmaß an bspw. Arbeitssicherheit der Waldarbeiter zu sorgen, was toll und unglaublich wichtig ist. Darüber hinaus für eine ökologische, nachhaltige Möbelproduktion, Transport und ein nachhaltiges Produkt zu sorgen ist schlicht nicht Gegenstand dieser Siegel. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Beispiele?

In Brasilien, da, wo früher Urwald war, primärer Tropenwald, gibt es Pinienplantagen. Gerne FSC zertifiziert. Die Pinien wachsen innerhalb von 10 Jahren zur Schlagreife, aufgrund wirklich günstiger klimatischer Verhältnisse. Das ist ein bißchen so wie bei Asterix, wo Miraculix die mit Zaubertrank behandelten Eicheln auf den Boden wirft und schwupps, steht da eine ausgewachsene Eiche.

Zum Vergleich: Die deutsche Buche wird im Wald mit 60 Jahren gerade mal geschlechtsreif, geschlagen wird sie nach 120 – 160 Jahren, was eigentlich viel zu früh ist.

Naja. Zurück zur Pinie aus Brasilien: Nach 10 Jahren werden sie geschlagen (daher ist das Holz auch so spotbillig; Der Boden ist danach oft unbrauchbar, weil eine dünne Lösschicht, die bei einem ordentlichen Tropenregen weggespült wird, wenn keine Wurzeln ihn halten), das Holz wird verarbeitet und Möbel werden daraus gebaut. Das Holz ist derart weich, daß man Schrauben einfach so mit einer Zange herausziehen kann. Für stabile langlebige Möbel ist das im Grunde unbrauchbar. Die Dauerhaftigkeit dieser Möbel ist dann auch sehr fraglich. Aber sie können ein FSC Siegel haben. Und sind wirklich billig. Kann man schön kaufen und ein gutes Gewissen haben.

Kennen Sie diese Gartenstühle aus Teakholz, FSC-zertifiziert, für einen wirklich guten Preis? Die zusammenbrechen, wenn man sich einmal in sie hineinfallen lässt?

Teak ist ja ein typisches (sehr tolles, sehr hartes und witterungsbeständiges) Plantagenholz. Man kann sagen, besser Holz aus einer Plantage in Indonesien als den Urwald abzuholzen, und naja, da ist auch etwas dran. Aber Plantagen sind aus ökologischer Sicht wirklich nicht empfehlenswert. Und es ist natürlich ökologisch höchst fragwürdig, ein Möbel von der anderen Seite des Erdballes nach Deutschland zu transportieren, das noch dazu eher liedschäftig gebaut ist. Aber das Möbel darf das FSC-Siegel tragen.

Oder, weil wir gerade über weite Transportwege sprechen: Kennen Sie den Couchtisch aus Ihrem lokalen Möbelmarkt, der aus Eiche massiv? Der eigentlich laut UVP 599,- Euro kostet, den Sie aber glücklicherweise und ganz zufällig als Schnäppchen für 249,- Euro in einer absoluten Preisalarm Super Sonderaktion bekommen? Noch dazu FSC-zertifiziert? Und jetzt raten Sie mal, wo der herkommt. Aus Deutschland? Hm, eher nicht, die chinesischen Schriftzeichen auf dem Karton verraten etwas Anderes.

Kennen Sie diese Holzvollernter, also Harvester, diese vollautomatischen Erntemaschinen für Bäume? Die einen ganzen Hektar Wald in wenigen Tagen fällen? Das zu sehen ist echt gespenstisch. Die Dinger wiegen zwischen 10 und 35 Tonnen. Was meinen Sie, was das mit dem Waldboden macht? Dieser unglaublich artenreiche Waldboden, in dem auf einem Hektar etwa 25 Tonnen Bodenorganismen leben (Quelle: Nabu). Zwar gibt es hier Vorschriften durch den FSC, aber auch ein auf solche Weise „geernteter“ Wald kann das FSC Siegel tragen.

Die Sache mit den Transportwegen

Ökologisch relevante Fragen sind: Welche Holzart wurde verwendet? Wo ist das Holz gewachsen? Wo wurde es verarbeitet? Wie weit musste das Holz transportiert werden?

Buche, Eiche, Kernbuche und Erle wachsen in Europa. Sheesham, Eukalyptus, Palisander und Wenge aber nicht. Exotische Hölzer können schön und langlebig sein, bringen aber längere Transportwege mit sich.

Ich habe ja eine Firma, die Massivholzmöbel herstellt. Man kann es nicht glauben, aber der Trend am Markt ist: Leimholzplatten aus Buche und Eiche zu kaufen, von denen das Holz aus Deutschland stammt. Es wird als Rundholz nach China bzw. Asien gebracht, dort zu Leimholzplatten verarbeitet und zurück nach Deutschland gebracht. Mit Siegel. So ähnlich wie die Krabben aus der Nordsee, die in China gepult werden und die Sie dann am Strand an der Nordsee in einem Brötchen kaufen können. Das ist total verrückt. Da kauft man Massivholzmöbel, Holz aus Deutschland, FSC- oder PEFC-zertifiziert, und dann sowas. Das ist echt schräg.

Einen ganzen Wald als Rundholz um den halben Erdball zu bringen, auf der anderen Seite zu verarbeiten und dann wieder zurück zu bringen ist nicht ökologisch. Dennoch kann das Holz die Siegel tragen, denn der Zweck von FSC und PEFC ist die nachhaltige Waldbewirtschaftung, und das ist schon viel.

Wird das Holz nahe am Herkunftsort verarbeitet, sinken die Transportwege, und ein größerer Teil der Wertschöpfung bleibt in der Region. Das sollte das Ziel sein. Diesen Weg geht übrigens das Land Bosnien mit seinen riesigen, zertifizierten Wäldern. 

Auch wenn das jetzt komisch kommt: Ich bin froh und dankbar, daß es diese FSC und PEFC Siegel gibt, sie sind wirklich immens wichtig und wertvoll. Sie haben unfassbar Wertvolles für die Wälder geleistet und tun dies weiterhin.

Aber sie machen kein nachhaltiges Möbel, sondern können erst ein Anfang dafür sein. Stellt sich die Frage: Warum gibt es kaum Möbel mit FSC- oder PEFC Siegel?

Was macht denn dann ein Möbel nachhaltig?

Kurz gesagt:

·       Eine regionale Herstellung

·       kurze Transportwege

·       stabile Bauweise

·       eine gewisse Flexibilität im Möbel, damit es auch an andere Räume angepasst werden kann.

·       Dazu die Möglichkeit, das Möbel wieder herzurichten, wenn es nach 20 Jahren so seine Gebrauchsspuren hat.

·       Ein wirklich nachhaltiges Möbel muß vor allem lange halten und lange genutzt werden. Das ist nachhaltig.

Natürlich ist es toll, wenn es aus der Region kommt, nach bio- und ökologischen Kriterien hergestellt ist usw. Aber auch ein noch so nachhaltig hergestelltes Möbel hat eine verheerende ökologische Bilanz, wenn es nicht lange genutzt wird.

Das wirklich ökologisch Schädliche ist der Konsum. Jeder Wald, der gefällt wird, und wenn es auch noch so nachhaltig ist, ist schlimm für die Natur.

Wie oben geschrieben, wird eine Buche mit etwa 140 Jahren gefällt. Genau so lange sollte ein Möbel halten und auch genutzt werden. Das ist nachhaltig.

Der Schreibtisch, an dem ich sitze und dies schreibe, ist übrigens etwa 100 Jahre alt.

Die Internetbörsen sind voller gebrauchter Möbel, auch sehr guter Massivholzmöbel, die aber wenig gekauft werden. Dafür ist kaum Nachfrage vorhanden. Das wäre aber ökologisch, ganz erheblich nachhaltiger als irgendein FSC- oder PEFC Siegel.

Leider gibt´s kaum Möbel, die FSC- oder PEFC zertifiziert sind. Wir waren jahrelang FSC zertifiziert, aber das Siegel haben wir auslaufen lassen. Obwohl wir das Holz immer noch bei den gleichen FSC-zertifizierten Lieferanten kaufen wie seit über 20 Jahren (ohne Umweg über Asien!). Warum? Lesen Sie hier.