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Der Holzschrank: ein „gesundes“ Möbelstück mit Geschichte und Zukunft aus einem einzigartigem Rohstoff. Ein Essay.

Der Holzschrank als klassisches Möbelstück

Ein Schrank aus Holz gehört zu den klassischen Möbelstücken eines Hauses zur Aufbewahrung von Kleidung, Wäsche und persönlichen Dingen.

Schon lange bevor es Schränke in ihrer heutigen Form gab, nutzten Menschen Möbel zur Aufbewahrung. Die frühen Vorläufer waren Truhen, Kästen und einfache Holzbehältnisse. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Schrank, indem man einfach zwei oder drei Truhen übereinander stellte und nach vorne öffnete. Natürlich waren sie aus Holz gefertigt mit klobigen Eisenbeschlägen, die ein Schmied aufwändig herstellte.

Holz: ein außergewöhnlicher Rohstoff

Holz ist ein ganz außergewöhnlicher und einzigartiger Rohstoff. Der seltenste Rohstoff im ganzen Universum, in dem es von Gold und Diamanten wimmelt. Aber Wälder gibt es - jedenfalls soweit man weiß - nur auf unserem Planeten Erde, und auch dort nur in, relativ zur Gesamtfläche, kleinen Gebieten.

Holz ist stabil und gut zu bearbeiten. Es verfügt über einzigartige Qualitäten. In der Menschheitsgeschichte war es stets nahezu überall verfügbar, zumindest so lange, bis der Mensch die Wälder gefällt hatte – so wie auf Island, wo die Wikinger das Holz für ihre Schiffe, Bauten und Feuer brauchten. Durch die kurze Vegetationszeit braucht ein Baum dort sehr lange zum Wachsen und wird auch nicht besonders groß. Und die durch die Wikinger eingeschleppten Schafe fraßen gerne die leckeren jungen Sprösslinge ab, sodass keine Bäume nachwuchsen. Heute wird dort in größerem Stil aufgeforstet.

Holz, Raubbau und Verantwortung

Oder auf den Philippinen, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der weltweit größte Exporteur von Holz waren – bis fast alle dieser riesigen Waldgebiete abgeholzt waren. Eigentlich sind die Philippinen ein Mahnmal für oder vielmehr gegen Raubbau. Heute sind die restlichen Wälder dort streng geschützt. Man kommt nur an das wunderbar schöne, mittelbraune einheimische Holz „Narra“, wenn man viel Geld und gute Kontakte zu zwielichtigen Menschen hat, die dann irgendwann schwer bewaffnet in einem geschlossenen kleineren Lkw kommen und das Holz bringen. Als damaliger Werksstudent aus Rosenheim für Holzwirtschaft war ich froh, damit nichts zu tun haben zu müssen. Korruption gibt es eben überall.

Holz als Universalrohstoff der Menschheit

Holz war schon immer für Menschen der ultimative Universalrohstoff. Man brauchte Holz zum Bau von Werkzeugen, Gebrauchsgegenständen, Gebäuden, Booten und Schiffen, Waffen und Musikinstrumenten. Selbst Autos hat man aus Holz gebaut. Manches Holz kann man essen, Pockholz beispielsweise dient immer noch als Gewürz. Den Blättern mancher Bäume wie Buche und Birke wird Heilwirkung zugeschrieben, manchen Bäumen wie der Eiche spirituelle Kräfte, und die Linde ist ein typischer Gesellschaftsbaum. Holz wurde und wird genutzt für ein Feuer, zum Heizen, Wärmen oder einfach so als Lagerfeuer. Es ist wirklich interessant, welche Magie ein Feuer auf Menschen hat. Wie viele Nächte haben Menschen um ein Lagerfeuer gesessen und hineingeschaut.

Die Wirkung von Holz auf den Menschen

Es gibt sehr interessante wissenschaftliche Publikationen zur Wirkung von Holz auf den menschlichen Organismus. Holz wird nachgesagt, positiv auf den menschlichen Organismus zu wirken, die Ergebnisse seien in Blut- und Urinwerten und am Herzschlag nachzuweisen.

Im Gegensatz übrigens zu Holzwerkstoffen wie Spanplatten, die angeblich einen unguten Effekt auf den menschlichen Organismus haben.

Ich bin kein Wissenschaftler und kann das weder bestätigen noch dementieren. Aber jeder kennt das, wie sich eine natürliche Umgebung auf den Menschen, seine Psyche und vielleicht dadurch auf den Körper auswirkt. Auch eine Einrichtung aus Holzmöbeln wird wohltuend aufgenommen, zumindest so lange das Holz nicht zu stark verarbeitet wurde.

Massivholz statt hochverarbeiteter Werkstoff

So ähnlich wie bei einer Pizza: Wird diese aus einem frischen Teig zubereitet, mit frischem Gemüse, etwas Schafskäse, herrlicher frischer Tomatensoße und köstlichen Gewürzen wie etwa frischem Basilikum, mit wenig Salz und hochwertigem Olivenöl – dann tut sie dem Körper gut. Anders als die hochverarbeitete Tiefkühlpizza, nach deren Verzehr man ein ungutes Gefühl im Bauch hat und die dem Körper auch wohl nicht wirklich gut tut.

Ich denke, mit Holzmöbeln ist das vergleichbar. Ein Raum mit Schränken aus gewachsenem Holz, mit einer Oberflächenbehandlung aus natürlichem guten Holzöl wirkt ganz anders auf den Organismus als ein Schrank aus Spanplatte.

Warum Holz so lange hält

Holz hält übrigens ewig, nach menschlichen Maßstäben. Jedenfalls wenn es nicht verbrennt, wie im Mittelalter wohl jede Stadt mindestens einmal einen verheerenden Brand hatte, dem sehr viele Holzhäuser zum Opfer fielen.

Ich war einmal in Frankreich in einer äußerst beeindruckenden, gigantisch großen alten Scheune. Sie war aus Eichenstämmen gebaut und über 1.000 Jahre alt. Nur das Dach wurde immer mal wieder erneuert, ansonsten war sie völlig intakt. Holz geht nicht kaputt, nicht, wenn man auf Folgendes achtet:

Holz braucht die richtige Umgebung

Um dauerhaft zu halten, braucht Holz eine trockene Umgebung, sodass sich keine Schimmelpilze oder andere holzzerstörende Organismen wohlfühlen. Denn Holz ist zwar erstaunlich dauerhaft, aber es ist eben auch ein organischer Werkstoff. Es lebt nicht mehr als Baum, aber es bleibt gewissermaßen offen für seine Umgebung. Es nimmt Feuchtigkeit auf, gibt sie wieder ab, arbeitet, dehnt sich aus, zieht sich zusammen, knarrt manchmal leise und erinnert einen daran, dass es nicht aus einer Maschine gefallen ist, sondern einmal im Wald gewachsen ist, dort in Interaktion mit Pilzen und anderen Bäumen war, zumindest wenn man Peter Wohlleben Glauben schenken mag.

Ein Holzschrank ist mehr als ein Gegenstand

Gerade das macht auch einen Holzschrank so besonders. Er ist nie ganz tot, nie ganz neutral, nie ganz beliebig. Ein Schrank aus Kunststoff oder beschichteter Spanplatte ist ein Gegenstand. Ein Schrank aus massivem Holz ist eher ein Mitbewohner. Er verändert sich mit den Jahren. Seine Farbe dunkelt etwas nach, die Oberfläche bekommt leichte Spuren, kleine Kratzer, vielleicht eine helle oder dunkle Stelle dort, wo immer die Hand die Tür geöffnet hat. Und irgendwann nimmt man sich die Zeit, schleift und ölt hier und dort etwas nach – und die Spuren sind mehr oder weniger verschwunden. Und der Holzschrank steht und tut, was seine Aufgabe ist, seine Bestimmung: Er verwahrt die Dinge, die ein Mensch hineinlegt. So wie es ein Holzschrank tut, seit es Holzschränke gibt.