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Interview mit Lutz Collier, Gründer der Naturmöbel Manufaktur – Nachhaltige, flexible, bio-und ökologische Massivholzmöbel. 

Seit mehr als 20 Jahren fertigt die Naturmöbel Manufaktur in Spenge ökologische Massivholzmöbel und vertreibt sie direkt an Endkunden. Gründer Lutz Collier ist gelernter Schreiner und Dipl. Betriebswirt mit Schwerpunkt Holzwirtschaft. Im Interview spricht er darüber, warum langlebige Möbel für ihn ein wesentlicher Bestandteil nachhaltigen Wohnens sind, woher die verwendeten Hölzer stammen und warum flexible Möbelsysteme besonders lange genutzt werden können.


1.       Würfli steht für handgefertigte Massivholzmöbel mit einer klaren Philosophie. Wie entstand die Idee zur Gründung der Manufaktur und welche Werte prägen Ihr Unternehmen bis heute?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, habe viel Zeit draußen in der Natur und im Wald verbracht. Mitte der 80er Jahre, in meiner Jugend, gab es den Tschernobyl super GaU, den sauren Regen, das Waldsterben, den Raubbau am Regenwald. Auch damals schon, vor über 40 Jahren, war allseits bekannt, daß sich die Erde aufheizt. Dazu gab´s sogar einen Hit von Peter Schilling im Radio. Meine Schulhefte kaufte ich im 3. Welt Laden, der hieß wirklich so, das waren die ersten Hefte aus Recyclingpapier, ein ganz komisches steifes Material, auf dem die Tinte verlief. Die Liebe zur Natur und der Gedanke der ökologischen Verantwortlichkeit waren früh in mir verankert. Es sind diese damals angelegten Werte, die heute von meinem Unternehmen verkörpert werden. Ökologisches Denken. Nachhaltiges Handeln. Die Ehrfurcht vor der Natur. Vor dem Baum. Dem Stück Holz.

Ebenso fand ich schon als Jugendlicher die Liebe zu Holz und zum Bauen von Möbeln daraus. Daher machte ich dann auch eine Lehre zum Schreiner, gefolgt vom Studium der BWL mit Schwerpunkt Holz.

Mein Grundgedanke bei der Gründung der Naturmöbel Manufaktur vor mehr als 20 Jahren war, richtig gute, verantwortungsvolle, nachhaltige, flexible und wandelbare Massivholzmöbel nach bio- und ökologischen Kriterien herzustellen und die zu einem sehr guten Preis durch Direktvertrieb via Internet anzubieten. Onlineshops steckten gerade in den Kinderschuhen, und ich dachte, das könnte ein schöner Vertriebsweg sein, weil ich ja gute flexible Massivholzmöbel herstellen und direkt Endkunden beliefern wollte. So ein bißchen wie eine „online Schreinerei“. Ohne die „Effizienzverluste“ durch die Zusammenarbeit mit einem Händler. Wir waren damals, soweit ich weiß, der erste, der das gemacht hat, und in der Anfangszeit rief mich tatsächlich immer mal wieder jemand aus den etablierten Möbelstrukturen an und beschwerte sich bei mir, dass ich die Preise kaputt machen würde, und überhaupt, dass Möbel online zu verkaufen nicht richtig sei, irgendwie unlauter. Eine spannende und arbeitsintensive Zeit damals.

 

2.       In einer Zeit von Fast Furniture und kurzen Produktlebenszyklen setzen Sie bewusst auf langlebige Möbel aus Massivholz. Warum ist Langlebigkeit aus Ihrer Sicht einer der wichtigsten Nachhaltigkeitsfaktoren im Möbelbereich?

Während meiner Lehre lernte ich, daß ein Möbel so lange halten sollte, wie der Baum zum Wachsen braucht. Ebenso simpel wie logisch, eigentlich. Eine Buche wird aber im Alter von 60 Jahren gerade mal geschlechtsreif, mit 120 Jahren erst wird sie schlagreif, was im Grunde sogar noch zu früh ist. Das ist eine lange Zeit.

Wenn ein Wald gefällt wird, ist das immer ein Desaster für die Natur. Dazu kommt: Selbst ein verantwortungsvoll hergestelltes Möbel verbraucht Rohstoffe, Energie und Arbeitszeit, und dazu kommt noch Transportaufwand.

Selbstverständlich ist es wichtig, daß möglichst alle Faktoren im Produktionsprozeß verantwortungsvoll gestaltet werden. Unser Strom kommt von Naturstrom, wir heizen mit den Holzspänen, die bei der Herstellung anfallen. Die Transportwege sind kurz und effizient, und zudem lassen wir seit über 10 Jahren monatlich 200 Bäume pflanzen. Das ist alles schön und gut, aber bei Weitem nicht das Wichtigste: Die spätere Nutzungsdauer der Möbel.

Ein wichtiges Kriterium ist der Co2 Fußabdruck. Ein 120 Jahre alter Baum hat eine große Menge davon in seinem Holz gespeichert. Er nimmt das Gas über seine Blätter oder Nadeln aus der Luft auf und speichert es im Holz. Nun nimmt ein dürres junges Bäumchen mit ein paar wenigen Blättern nicht die gleiche Menge auf wie ein großer, alter Baum. Das dauert eben wieder 120 Jahre, bis es soweit ist. Wenn ein Möbel aus einem 120 Jahre alten Baum nach meinetwegen 20 Jahren entsorgt und in einem Müllheizkraftwerk verbrannt, das Co2 also wieder freigesetzt wird, dann ist die Co2 Bilanz erst einmal sehr negativ.

Es gibt diesen Trend zu extrem billigen Möbeln, richtiggehend Wegwerfmöbeln. Sie sind so einfach und schlecht gemacht, dass sie schon nach dem Aufbau kaum zu gebrauchen sind. Aber auch sie bestehen aus Holz, für das ein Wald gefällt und das zu Spanplatten verarbeitet wurde. Die Öko Bilanz ist hier desaströs.

Nun ist es auch so, dass es zwar wirklich gut gemachte Massivholzmöbel gibt, die für die Ewigkeit gemacht worden waren, aber dennoch nicht besonders alt werden: Die Schrankwand von der Oma bspw., in Eiche rustikal. Es tut einem in der Seele weh, diese zu entsorgen, weil keiner sie mehr mag. Dickes, massives Holz, beste Eiche, fachmännisch verarbeitet. Ein Trauerspiel.

Da liegt der Gedanke nah, dass Möbel nicht nur so lange halten müssen, wie der Baum zum Wachsen braucht, sondern auch ebenso lange genutzt werden sollten.

Das ist dann der Fall, wenn das Möbel wandelbar ist und sich anpasst. Das zuerst für einen Zweck eingesetzt wird, erweiter- und verkleinerbar ist und später wieder völlig anders genutzt werden kann. Bei dem die Möglichkeit einer einfachen Überarbeitung gegeben ist. Ein Möbel, das in seinen einzelnen Modulen leicht über Kleinanzeigen verkäuflich ist und sich dann in einem neuen Zuhause wie neu einpflegt. Ein maximal flexibles Möbel, das einfach immer weiter und weiter genutzt wird, in vielfältigsten Bereichen. Das so flexibel, wandelbar und praktisch ist, dass es eben nicht weggeworfen wird, sondern man es einfach immer weiter gebraucht und einsetzt. Das ist ökologisch und nachhaltig.

3.       Die Wahl der Materialien spielt bei nachhaltigen Möbeln eine entscheidende Rolle. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Hölzer aus und wie stellen Sie sicher, dass Umweltverträglichkeit und Qualität Hand in Hand gehen?

Wir verwenden einheimische Laubhölzer wie Buche, Eiche und Erle aus nachhaltiger, zertifizierter Bewirtschaftung. Unser Holz stammt aus Deutschland und angrenzenden europäischen Ländern. Das ermöglicht vergleichsweise kurze Transportwege und eine nachvollziehbare Herkunft. Wir arbeiten seit Firmenbeginn mit den gleichen Lieferanten. Ich kenne die Lieferanten, die Wälder, weiß, was da gemacht wird. Zertifikate sind geduldig und werden gerne als Feigenblatt genommen. Der Trend ist ja, deutsche Buche und Eiche als Rundholz, also die Baumstämme, nach Asien zu verschiffen; Dort werden sie verarbeitet und kommen als Leimholzplatten zurück, woraus hier dann wieder Möbel gemacht werden. Das ist ein ökologischer Wahnsinn, aber das Holz kann ein FSC- oder PEFC Zertifikat tragen, und an dem Möbel steht dann „Holz aus deutschen Wäldern“, was ja auch stimmt. Total verrückt. Zertifikate sind wichtig, aber bedeuten nicht automatisch, dass das Möbel auch wirklich ökologisch ist. Nein, unser Holz kommt aus Bosnien, Polen und Deutschland, wächst dort, wird dort verarbeitet und kommt direkt zu uns.

Massivholz ist stabil, langlebig und kann mit wenig Aufwand aufgearbeitet werden. Ein gut gemachtes Massivholzmöbel kann sogar Jahrhunderte halten, denn Massivholz geht nicht plötzlich nach einigen Jahrzehnten kaputt, es sei denn man stellt die Möbel für längere Zeit in den Regen. Man sehe sich alte Möbel in Museen und alten Schlössern an, die sind Hunderte von Jahren alt. Wesentlich für die Dauerhaftigkeit ist, dass ein Massivholzmöbel konstruktiv richtig gebaut ist, und dass die Beschläge eine hohe Wertigkeit haben.

Bei der Verarbeitung gibt es wesentliche Punkte: Unsere Möbel werden mit hochwertigem Holzöl behandelt, dem Besten, das ich kenne. Es ist leinölfrei, damit sinkt die Geruchsbelastung ganz erheblich. Die besondere Haptik des Holzes bleibt erhalten und die Oberflächen lassen sich später einfach pflegen oder erneuern. Die Holzplatten werden mit formaldehydfreiem Dispersionsleim auf Wasserbasis verleimt. Die von uns eingesetzten Beschläge sind hochwertige Markenfabrikate; Dauerhaftigkeit und hohe Belastbarkeit sind hier die wichtigsten Kriterien.

Umweltverträglichkeit und Qualität sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich und sind eigentlich ziemlich deckungsgleich.

4. Viele Menschen wünschen sich heute Möbel, die nicht nur funktional, sondern auch emotional wertvoll sind. Was macht für Sie ein Möbelstück aus, das seine Besitzer über viele Jahre oder sogar Generationen hinweg begleitet?

Ein solches Möbelstück muss zunächst gut funktionieren. Es ist ein Funktionsgegenstand, hat eine Aufgabe zu erfüllen. Daher sollte es stabil und dauerhaft sein, sich angenehm anfühlen und zum Alltag seiner Besitzer passen. Auch sollte es möglichst zeitlos schön aussehen. Nicht jedes ausgefallene Design gefällt auch morgen noch.

Massivholz hat eine besondere Ausstrahlung. Jedes Stück besitzt eine eigene Maserung, eigene Farbnuancen. Es entstehen womöglich kleine Spuren des täglichen Lebens. Das Möbel wird zum Teil des Heims, des Ortes, den wir „Zuhause“ nennen. Man baut eine Beziehung dazu auf.

Emotional wertvoll wird ein Möbelstück auch dann, wenn es sich verändern darf und einem auch damit gute Dienste leistet. Sozusagen der treue Begleiter, der sich einem anpasst. Würfli kann Menschen durch unterschiedliche Lebensphasen begleiten. Eine Würfli Kombination aus der ersten Wohnung kann später erweitert werden. Einzelne Module lassen sich neu anordnen oder in einem anderen Raum weiterverwenden. Vielleicht stehen sie irgendwann bei den Kindern oder Enkeln. Ebenso verhält es sich mit den Massivholzbetten und Kleiderschränken. Sie werden zu groß oder zu klein und wollen angepasst werden, was ohne Weiteres möglich ist.

Wir möchten keine Möbel herstellen, die aus der Mode kommen. Sehen Sie, den „Würfli“ gibt es seit mehr als 20 Jahren. Wir haben immer wieder sogar Kunden aus der „ersten Stunde“, die Teile nachbestellen, weil sie die Möbel anders aufbauen oder nutzen wollen. Falls es ein persönliches Gespräch gibt, etwa einen Anruf, dann hören wir, wie gerne die Möbel gemocht werden. Das freut uns.

 5. Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für nachhaltige Möbelhersteller – beispielsweise in Bezug auf Rohstoffe, Produktion oder das Konsumverhalten der Kundinnen und Kunden?

Bezüglich Rohstoffe und Produktion sehe ich für uns keine besonderen Herausforderungen. Die Einkaufspreise sind stabil, die Verfügbarkeit auch auf Dauer gewährleistet. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das bei anderen Herstellern vollmassiver, bio- und ökologischer Möbel anders ist.

Auch das mit den Mitarbeitern ist unproblematisch. Wir haben ein gutes Team aus langjährigen Mitarbeitern, und wenn jemand Neues kommt, dann entscheidet das Team. Sie müssen ja schließlich miteinander arbeiten, da muß auch die Chemie stimmen. Mittlerweile beschäftigen wir auch einige Geflüchtete. Die wurden integriert, haben ihre Aufgaben und sind ein wertvoller Bestandteil unseres Teams.

Das Konsumverhalten der Kunden schwankt immer. In Deutschland hatten wir seit 2008 eine außergewöhnlich lange Boom Phase, in der viele Firmen und auch der deutsche Staat gutes Geld verdient haben. Jetzt stellt man mal wieder überrascht fest, daß es einem auf die Füße fällt, weil unbequeme, aber notwendige richtungsweisende Entscheidungen vertagt wurden und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen vielleicht tatsächlich nicht so zukunftsweisend ist. Mal ganz abgesehen von ökologischen Aspekten, die ja die mit Abstand am dringlichsten sind, aber irgendwie etwas in Vergessenheit zu geraten scheinen. Ähnlich wie wenn sich zwei Kontinentalplatten verhakt haben, gibt es derzeit ein Beben. Es ist wünschenswert, dass es genutzt wird für die richtigen Entscheidungen.

Die Unsicherheit scheint bei vielen Konsumenten gerade sehr hoch zu sein. Das spiegelt zwar nicht die wirtschaftliche Realität der meisten wider. Aber wenn man Angst vor der Zukunft hat, kauft man ungern Möbel. Das merkt die gesamte Möbelbranche.

Unser Kundenkreis für nachhaltige, bio- und ökologische Massivholzmöbel ist im Schnitt überdurchschnittlich gebildet und verfügt über ein überdurchschnittliches verfügbares Einkommen. Viele geben ihr Geld nicht unüberlegt aus, sondern halten es zusammen und konsumieren sehr gewählt. Sie kaufen nicht einfach kurz entschlossen ein Möbel, sondern richten ihr Heim ein. Das sind langfristige Entscheidungen, auch für einen bestimmten Lebensstil.

Ganz konkret für uns gesprochen: Die Stärke unseres Unternehmens ist seine große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, neben einer hohen wirtschaftlichen Stabilität. Wir haben aber auch das Glück, dass unser Konzept, gute, flexible bio- und ökologische Massivholzmöbel aus Deutschland, aufgrund von Direktvertrieb preiswert, auch derzeit gut in den Markt passt. Wir wachsen entgegen dem allgemeinen Trend sehr stark. Für unsere Situation sind wir sehr dankbar.

6. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie wird sich nachhaltiges Wohnen in den kommenden Jahren verändern und welche Rolle möchten Sie mit Würfli dabei spielen?

Karl Valentin hat angeblich gesagt, dass das mit den Prognosen schwierig sei, besonders wenn sie die Zukunft beträfen. Da hat er einen Punkt.

Wir sind Hersteller bio- und ökologischer Massivholzmöbel und freuen uns, wenn unsere Möbel gekauft werden. Das Schöne ist, daß sich ändernde Bedürfnisse an uns von Kunden herangetragen werden. Wenn wir etwas öfter hören und das für uns Sinn ergibt, dann setzen wir das um. Auf diese Weise ist unser komplettes Produktportfolio entstanden. Wir sind nicht diejenigen, die einen Trend verursachen, sondern die Möbel fertigen und liefern, die gewünscht werden. Es wird immer Menschen geben, die sich mit schönen, natürlichen Massivholzmöbeln einrichten wollen, weil das einen Raum angenehm macht.

Schon seit einer ganzen Weile geht der Trend weg von riesigen Schrank- und wuchtigen Regalwänden, und das wird sich sicherlich fortsetzen, auch weil man nicht mehr so viele Bücher, CDS, DVDs und so besitzt. Auf der anderen Seite wird durchaus Stauraum benötigt für das, was man hat. Da können die Würfli gezielt eingesetzt werden.

Ich denke, mit unseren flexiblen, bio- und ökologischen Möbelsystemen und einem offenen Ohr sind wir ganz gut aufgestellt für die Zukunft.

Lutz Collier